
Wichtigste Erkenntnisse
- Amazon DSP ist eine Demand-Side-Platform für programmatic Display-, Video- und Audio-Werbung - kein Ersatz für Sponsored Ads
- Anzeigen laufen auf Amazon-eigenen Flächen wie IMDb, Twitch und Fire TV sowie über Drittanbieter-Exchanges im offenen Web
- Targeting basiert auf Zielgruppen statt auf einzelnen Keywords - inklusive Amazon-eigener Kaufsignale
- Zugang über Self-Service in der Amazon Ads Konsole oder über Managed Service mit Betreuung
- Sinnvoll als Ergänzung für Marken mit stabilem organischem Fundament, nicht als Einstieg in Amazon-Werbung
Was ist Amazon DSP?
Amazon DSP steht für Demand-Side Platform und ist Amazons Plattform für programmatic Advertising. Anders als Amazon PPC-Formate wie Sponsored Products, Sponsored Brands oder Sponsored Display, die du als Self-Service-Kampagnen in Seller Central oder der Amazon Ads Konsole buchst und die primär auf Suchanfragen und Produktseiten reagieren, kauft Amazon DSP Werbeplätze automatisiert und zielgruppenbasiert ein.
Statt auf ein einzelnes Keyword oder Produkt zu bieten, definierst du bei DSP eine Zielgruppe - etwa Käufer einer bestimmten Produktkategorie oder Besucher, die dein Produkt angesehen, aber nicht gekauft haben - und die Plattform spielt deine Display-, Video- oder Audio-Anzeige dieser Zielgruppe über verschiedene Kanäle hinweg aus. Das macht DSP zu einem Werbeinstrument für die oberen und mittleren Phasen des Amazon Marketing Funnels, während Sponsored Products und Sponsored Brands eher die Kaufentscheidung in der Suche abschließen.
Amazon DSP vs. Sponsored Ads: Der Unterschied
Der zentrale Unterschied liegt im Buchungsmodell und im Einsatzzweck:
- Sponsored Products / Sponsored Brands: Keyword- oder Produkt-Targeting, Auktionsmodell, primär auf Amazon-Suchergebnisseiten und Produktdetailseiten
- Sponsored Display: Bereits zielgruppen- und produktbasiertes Retargeting, aber weiterhin als Self-Service-Format mit begrenztem Inventar
- Amazon DSP: Zielgruppenbasierter, programmatic Einkauf von Display-, Video- und Audio-Anzeigen über Amazon-eigenes und Drittanbieter-Inventar hinweg
In der Praxis schließen sich die Formate nicht aus, sondern ergänzen sich. Viele Marken nutzen Sponsored Brands und Sponsored Display, um unmittelbar Verkäufe zu generieren, und setzen Amazon DSP zusätzlich ein, um Markenbekanntheit über einen größeren Zielgruppenkreis aufzubauen oder Besucher zurückzuholen, die zwar Interesse gezeigt, aber noch nicht gekauft haben.
Wo deine Anzeigen erscheinen: Amazon- und Drittanbieter-Inventar
Ein wesentlicher Vorteil von Amazon DSP ist die Reichweite über Amazon hinaus. Anzeigen können unter anderem auf folgenden Flächen ausgespielt werden:
- Amazon-eigene Flächen: Amazon-Startseite, Produktdetailseiten, Suchergebnisseiten, IMDb, Twitch sowie Video-Werbung auf Fire TV und Prime Video
- Drittanbieter-Inventar: Über Amazon Publisher Direct und angebundene Werbe-Exchanges auch auf einer Vielzahl von Websites und Apps außerhalb des Amazon-Ökosystems
Diese Kombination unterscheidet DSP klar von Sponsored TV, das sich auf Streaming-Werbung innerhalb des Amazon-Umfelds konzentriert. Amazon DSP erlaubt es dir, deine Zielgruppe auch dann zu erreichen, wenn sie sich gerade nicht auf Amazon aufhält - ein Pluspunkt für Markenaufbau und Vollfunnel-Strategien, die über reine Amazon-Werbung hinausgehen.
Targeting-Optionen im Amazon DSP
Statt Keywords oder Produkt-ASINs zu targeten, arbeitet Amazon DSP mit Zielgruppen-Segmenten. Grob lassen sich diese in drei Kategorien einteilen:
1. Amazon Audiences
Vordefinierte Zielgruppen, die auf Amazons eigenen Kauf-, Browsing- und Streaming-Signalen basieren - zum Beispiel Käufer bestimmter Kategorien, Lifestyle-Segmente oder In-Market-Zielgruppen, die gerade aktiv nach vergleichbaren Produkten suchen.
2. Advertiser Audiences
Zielgruppen, die du selbst definierst, etwa Retargeting von Besuchern deiner Produktseiten, Käufer deiner eigenen oder verwandter Produkte oder Lookalike-Segmente auf Basis bestehender Kunden. Diese Daten lassen sich auch mit den Erkenntnissen aus deinen Advertising Reports und deiner organischen Performance abgleichen, um die relevantesten Segmente zu priorisieren.
3. Kontext- und Drittanbieter-Targeting
Zusätzlich lässt sich nach inhaltlichem Kontext der Werbefläche sowie über Drittanbieter-Datensegmente targeten, etwa für reine Branding-Kampagnen, bei denen Reichweite und thematische Relevanz wichtiger sind als unmittelbare Kaufsignale.
Self-Service vs. Managed Service: Wie du Zugang bekommst
Amazon DSP steht grundsätzlich sowohl Amazon-Sellern und Vendoren als auch Unternehmen offen, die gar nicht auf Amazon verkaufen. Der Zugang erfolgt über zwei Modelle:
- Self-Service: Du steuerst Kampagnen, Budgets und Targeting selbst direkt in der Amazon Ads Konsole - mehr Kontrolle, aber auch mehr Einarbeitungsaufwand
- Managed Service: Amazon oder eine zertifizierte Agentur übernimmt Kampagnenaufbau und -steuerung für dich - sinnvoll, wenn intern die Kapazität für die vergleichsweise komplexe DSP-Oberfläche fehlt
Welches Modell und welches Budget für dich praktikabel ist, hängt stark vom jeweiligen Markt und Account-Typ ab. Da sich Zugangsvoraussetzungen und Mindestbudgets von Amazon im Zeitverlauf ändern, solltest du die aktuellen Konditionen direkt in der Amazon Ads Konsole oder bei deinem Amazon-Ads-Ansprechpartner prüfen, bevor du dich für ein Modell entscheidest.
Für wen sich Amazon DSP lohnt
Amazon DSP ist kein Einstiegsformat. Bevor DSP einen Mehrwert liefert, solltest du folgende Grundlagen bereits geschaffen haben:
- Eine funktionierende PPC-Kampagnenstruktur mit Sponsored Products und Sponsored Brands, die stabil Verkäufe generiert
- Ausreichend Traffic und Kundendaten, damit Retargeting-Zielgruppen überhaupt eine relevante Größe erreichen
- Ein klares Ziel jenseits der reinen Verkaufszahl, etwa Markenbekanntheit, Rückkäufe oder die Erschließung neuer Zielgruppensegmente
Für Seller, die noch an den Grundlagen von Amazon PPC arbeiten, ist der Fokus auf Optimierung statt Expansion meist der sinnvollere nächste Schritt. Amazon DSP entfaltet seinen Nutzen vor allem dann, wenn dein Produkt bereits ein solides organisches Fundament hat und du die nächste Wachstumsstufe erreichen willst.
Amazon DSP in deine Gesamtstrategie einbinden
Amazon DSP funktioniert am besten nicht isoliert, sondern als Ergänzung zu deiner bestehenden PPC-Strategie. Ein paar Leitlinien dafür:
- Funnel-Logik beachten: Nutze DSP für Reichweite und Retargeting, Sponsored Products und Sponsored Brands für den Kaufabschluss
- Gesamtbild im Blick behalten: Bewerte den Erfolg nicht nur am direkten Werbeumsatz einzelner Kampagnen, sondern auch an der Entwicklung deines TACoS über die Zeit
- Regelmäßig auswerten: Wie bei jedem Werbeformat gilt: Ohne kontinuierliches Monitoring und PPC Audits verpufft auch DSP-Budget ungenutzt
Erste Schritte mit Amazon DSP
Wenn du prüfen willst, ob Amazon DSP für deine Marke einen Mehrwert bietet, sind das die praktischen nächsten Schritte:
- Sprich mit deinem Amazon-Ads-Ansprechpartner oder einer zertifizierten DSP-Agentur über aktuelle Zugangsvoraussetzungen und Budgetrahmen
- Definiere ein konkretes Ziel für die erste Testphase, etwa Reichweite in einer neuen Zielgruppe oder Retargeting von Produktseiten-Besuchern
- Lege ein überschaubares Testbudget fest und vergleiche die Ergebnisse mit deinen bestehenden Sponsored-Ads-Kennzahlen
- Skaliere erst, wenn die ersten Testkampagnen ein klares Bild davon liefern, welche Zielgruppen und Formate für dich funktionieren
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Amazon DSP und Sponsored Ads?
Sponsored Products, Sponsored Brands und Sponsored Display sind Self-Service-Werbeformate, die primär auf Suchanfragen und Produktseiten innerhalb von Amazon reagieren und direkt in der Amazon Ads Konsole gebucht werden. Amazon DSP ist dagegen eine Demand-Side-Platform für programmatic Display-, Video- und Audio-Werbung, die sowohl auf Amazon-eigenen Flächen als auch über Drittanbieter-Exchanges im offenen Web ausgespielt wird und auf Zielgruppen statt auf einzelne Keywords zielt.
Wer kann Amazon DSP nutzen?
Amazon DSP steht grundsätzlich sowohl Amazon-Sellern und Vendoren als auch Unternehmen offen, die gar nicht auf Amazon verkaufen, etwa Agenturen oder Marken mit eigenem Onlineshop. Je nach Account-Typ und Ziel erfolgt der Zugang entweder selbst gesteuert über die Amazon Ads Konsole oder betreut über einen Amazon-Ads-Vertreter beziehungsweise eine zertifizierte Agentur.
Wo werden Amazon DSP-Anzeigen angezeigt?
Amazon DSP-Anzeigen erscheinen auf Amazon-eigenen Angeboten wie der Amazon-Startseite, Produktseiten, IMDb, Twitch, Fire TV und Prime Video sowie zusätzlich über Amazon Publisher Direct und angebundene Werbe-Exchanges auf einer Vielzahl von Websites und Apps außerhalb von Amazon. Welche konkreten Platzierungen im Einzelfall genutzt werden, legt die jeweilige Kampagne über die gewählten Inventar- und Targeting-Einstellungen fest.
Lohnt sich Amazon DSP auch für kleine und mittlere Seller?
Für Seller, die noch am Aufbau von Sponsored Products und Sponsored Brands arbeiten, ist Amazon DSP meist zu früh, weil ohne vorhandene Zielgruppendaten aus Retargeting und Amazon Audiences der Hebel fehlt. Sobald ein Produkt über stabile organische Verkäufe, einen funktionierenden PPC-Funnel und wiederkehrende Kundensegmente verfügt, kann DSP sinnvoll sein, um Markenbekanntheit und Rückkäufe zusätzlich zur Suchwerbung zu steigern.