
Wichtigste Erkenntnisse
- Seit 2. November 2026 brauchen Produkte in Amazons Sicherheitskategorien eine Haftpflichtversicherung ab dem ersten Verkauf
- Mindestdeckung: 1 Mio. USD pro Schadensfall und in der Gesamtsumme, Selbstbeteiligung max. 10.000 USD
- Betroffen sind u. a. Kinderprodukte, Nahrungsergänzungsmittel, Lithium-Akku-Produkte, Matratzen und Reifen - auch bei bestehenden Listings
- Seller mit Sitz in China müssen neue Policen über den Amazon Insurance Accelerator abschließen
- Status und Nachweis prüfst du in Seller Central unter Einstellungen, Kontoinformationen, Geschäftsversicherung
Hinweis: Dieser Beitrag ist ein allgemeiner Überblick auf Basis von Branchenberichten und ersetzt keine Rechts- oder Versicherungsberatung. Prüfe die verbindlichen Angaben und die vollständige Kategorienliste direkt in Seller Central.
Was sich am 2. November 2026 ändert
Pünktlich zum heutigen Stichtag hat Amazon eine deutlich schärfere Variante seiner Haftpflichtversicherungspflicht in Kraft gesetzt. Bisher galt: Wer in einem Kalendermonat mehr als 10.000 US-Dollar Bruttoerlös erzielt, muss innerhalb von 30 Tagen eine gewerbliche Haftpflichtversicherung mit mindestens 1 Million US-Dollar Deckung nachweisen. Diese Umsatzschwelle war für viele kleine und neue Seller bislang ein gewisser Schutz - wer wenig verkaufte, musste sich um das Thema zunächst nicht kümmern.
Für Produkte in Amazons sogenannten Sicherheitskategorien, also Kategorien mit erweiterten Sicherheitsanforderungen an Listings, fällt diese Schwelle nun komplett weg. Die Versicherungspflicht gilt ab dem allerersten Verkauf, unabhängig davon, ob ein Produkt zehn- oder zehntausendmal im Monat verkauft wird.
Betroffen sind dabei nicht nur neue Angebote: Amazon wendet die Regel ausdrücklich auch auf bereits bestehende, selbst kaum verkaufte Listings an. Wer ein altes ASIN mit gelegentlichen Einzelverkäufen in einer Sicherheitskategorie führt, braucht ab heute eine gültige Police - auch wenn dieses Produkt nie in die Nähe der alten 10.000-Dollar-Schwelle gekommen ist. Das ist ein ähnliches Prinzip wie bei der GPSR, bei der ebenfalls jedes einzelne Listing unabhängig vom Umsatz die Pflichtangaben erfüllen muss.
Welche Produktkategorien betroffen sind
Amazon führt die betroffenen Kategorien auf seiner Seite zu Produktkategorien mit erweiterten Sicherheitsanforderungen an Listings. Laut übereinstimmenden Berichten mehrerer Branchenmedien umfasst die Liste elf Kategorien, darunter unter anderem:
- Kinderprodukte
- Kosmetische und zum Verzehr bestimmte Produkte ("Ingestibles")
- Produkte mit Lithium-Batterien
- Nahrungsergänzungsmittel
- Kleine Küchengeräte
- Matratzen
- Reifen
Diese Aufzählung ist nicht abschließend - für die vollständige, verbindliche Liste solltest du die entsprechende Seite in Seller Central konsultieren, da Amazon einzelne Kategorien bei Bedarf ergänzen kann. Wichtig ist der gemeinsame Nenner: Es geht durchweg um Produkte, bei denen ein Fehler - ein verschlucktes Kleinteil, ein brennender Akku, eine allergische Reaktion - schnell zu einem ernsten Personen- oder Sachschaden führen kann. Genau hier will Amazon sicherstellen, dass im Schadensfall eine Versicherung greift, statt dass Geschädigte leer ausgehen.
Wenn du mehrere Marken oder viele SKUs führst, lohnt sich ein systematischer Abgleich deines gesamten Katalogs gegen diese Kategorienliste. Katalog-Werkzeuge, die Listing-Attribute gebündelt auswerten - etwa per Amazon MCP-Connector -, helfen dabei, auch inaktive oder kaum verkaufte ASINs nicht zu übersehen.
Deckungssumme, Selbstbeteiligung und Nachweis
Die inhaltlichen Anforderungen an die Police selbst ändern sich durch die neue Regel nicht - verschärft wird nur, wer sie erfüllen muss. Amazon verlangt:
- Mindestens 1.000.000 US-Dollar Deckung pro Schadensereignis ("per occurrence")
- Mindestens 1.000.000 US-Dollar Deckung in der Gesamtsumme ("aggregate")
- Eine Occurrence-basierte Police statt einer reinen Claims-made-Police ohne entsprechende Nachlaufdeckung
- Eine Selbstbeteiligung (Deductible) von höchstens 10.000 US-Dollar
- Amazon.com Services LLC und die verbundenen Unternehmen bzw. Rechtsnachfolger als zusätzlich Mitversicherte ("additional insured") auf dem Versicherungsnachweis
Den aktuellen Status deiner Police siehst du in Seller Central unter Einstellungen, Kontoinformationen, Geschäftsversicherung. Dort lädst du auch das Certificate of Insurance (COI) hoch, wenn deine Policendetails nicht automatisch erfasst werden.
Sonderregel für Seller mit Sitz in China
Für Verkäufer mit Unternehmenssitz in der Volksrepublik China gilt eine zusätzliche Einschränkung: Neue Policen können sie künftig nur noch über den Amazon Insurance Accelerator abschließen, Amazons eigenes Netzwerk geprüfter Versicherer. Eine bereits bestehende, gültige Police eines freien Drittanbieters, die vor dem 2. November 2026 eingereicht wurde, bleibt zwar bis zum Ablauf nutzbar - eine Verlängerung oder ein Neuabschluss außerhalb des Accelerators ist für diese Zielgruppe danach aber nicht mehr möglich.
Seller mit Sitz an anderen Standorten können weiterhin frei wählen, bei welchem Versicherer sie ihre Police abschließen, solange diese die oben genannten Mindestanforderungen erfüllt.
So prüfst du deinen Versicherungsstatus in Seller Central
- Katalog filtern: Verschaffe dir einen Überblick, welche deiner ASINs in eine der elf Sicherheitskategorien fallen - auch inaktive oder kaum verkaufte Listings.
- Status prüfen: Rufe in Seller Central unter Einstellungen, Kontoinformationen, Geschäftsversicherung den aktuellen Stand ab.
- Deckungssumme abgleichen: Stelle sicher, dass deine bestehende Police mindestens 1 Million US-Dollar je Schadensfall und in der Summe abdeckt und die Selbstbeteiligung 10.000 US-Dollar nicht überschreitet.
- Zusätzlich Mitversicherte ergänzen: Prüfe, ob Amazon.com Services LLC korrekt als additional insured auf dem Certificate of Insurance geführt wird.
- Bei Sitz in China: Kläre, ob eine neue Police über den Amazon Insurance Accelerator nötig ist, bevor die bestehende Deckung ausläuft.
- Dokumentation hochladen: COI zeitnah in Seller Central hinterlegen, statt auf eine automatische Erkennung zu warten.
Wer mit einer Versicherungsagentur oder einem Makler zusammenarbeitet, sollte diesen jetzt aktiv auf die neuen Anforderungen hinweisen - viele Standardpolicen für kleinere Online-Händler waren bislang nicht auf die 1-Millionen-Dollar-Marke ausgelegt.
Checkliste für betroffene Händler
- Alle ASINs gegen die Liste der Sicherheitskategorien abgeglichen
- Auch inaktive und kaum verkaufte Listings einbezogen
- Bestehende Police auf Deckungssumme (1 Mio. USD) und Selbstbeteiligung (max. 10.000 USD) geprüft
- Amazon als additional insured korrekt hinterlegt
- Certificate of Insurance in Seller Central hochgeladen
- Bei Sitz in China: Prüfung, ob ein Wechsel zum Amazon Insurance Accelerator nötig ist
- Versicherungsmakler bzw. -agentur über die neue Regel informiert
Warum das auch deine Ads betrifft
Auf den ersten Blick wirkt eine Versicherungspflicht wie ein reines Backoffice-Thema, das mit Amazon PPC wenig zu tun hat. Tatsächlich hängt beides eng zusammen: Fehlt bei einem betroffenen Listing der Versicherungsnachweis, kann Amazon das Angebot einschränken oder deaktivieren - ähnlich wie bei fehlenden GPSR-Angaben. Ein deaktiviertes Listing verkauft nichts, und jede Sponsored-Products- oder Sponsored-Brands-Kampagne, die weiterhin darauf zeigt, verbrennt Budget ins Leere - der ACoS schießt in die Höhe, ohne dass ein einziger Verkauf zustande kommt.
Gerade wer saisonale Produkte in Sicherheitskategorien wie Spielzeug, Elektronik mit Akkus oder Nahrungsergänzungsmitteln pünktlich zu Black Friday oder zur Weihnachtssaison hochfahren will, sollte die Versicherungsfrage jetzt klären - nicht erst, wenn das Konto mitten in der umsatzstärksten Zeit des Jahres gesperrt wird. Parallel laufen für viele Seller ohnehin weitere Fristen, etwa zum New Selection Program oder zur neuen Business Hour Delivery Rate. Wer Compliance-Themen wie diese regelmäßig und nicht nur einmalig prüft, vermeidet, dass sich mehrere Fristen gleichzeitig zum Problem aufstauen.
Fazit
Die neue Haftpflichtversicherungspflicht für Amazons Sicherheitskategorien ist seit dem 2. November 2026 scharf gestellt und trifft erstmals auch Seller, die bislang wegen geringer Umsätze verschont blieben. Wer Kinderprodukte, Nahrungsergänzungsmittel, Lithium-Akku-Produkte oder andere der betroffenen Warengruppen verkauft, sollte noch heute in Seller Central prüfen, ob eine gültige Police mit mindestens 1 Million US-Dollar Deckung und maximal 10.000 US-Dollar Selbstbeteiligung vorliegt - unabhängig davon, wie gut oder schlecht sich das jeweilige Listing verkauft.
Wie bei anderen regulatorischen Fristen dieses Jahres gilt: Wer frühzeitig handelt, vermeidet Deaktivierungen zur denkbar ungünstigsten Zeit und schützt gleichzeitig die Wirksamkeit seiner laufenden Werbekampagnen.
Häufige Fragen
Was ändert sich am 2. November 2026 bei der Amazon-Haftpflichtversicherung?
Für Produkte in Amazons Sicherheitskategorien, zum Beispiel Kinderprodukte, Nahrungsergänzungsmittel oder Lithium-Akku-Produkte, entfällt die bisherige Umsatzschwelle von 10.000 US-Dollar pro Monat. Die Pflicht zur gewerblichen Haftpflichtversicherung gilt ab dem 2. November 2026 ab dem ersten Verkauf - und ausdrücklich auch für bereits bestehende, kaum verkaufte Listings.
Welche Produktkategorien sind von der neuen Versicherungspflicht betroffen?
Betroffen sind Amazons Kategorien mit erweiterten Sicherheitsanforderungen an Listings. Laut übereinstimmenden Berichten umfasst die Liste elf Kategorien, darunter Kinderprodukte, kosmetische und zum Verzehr bestimmte Produkte, Produkte mit Lithium-Batterien, Nahrungsergänzungsmittel, kleine Küchengeräte, Matratzen und Reifen. Die vollständige, verbindliche Liste findest du in Seller Central.
Wie hoch muss die Deckungssumme sein und was gilt für die Selbstbeteiligung?
Amazon verlangt mindestens 1 Million US-Dollar Deckung pro Schadensereignis sowie mindestens 1 Million US-Dollar in der Gesamtsumme, bei einer Occurrence-basierten Police. Die Selbstbeteiligung darf höchstens 10.000 US-Dollar betragen, und Amazon.com Services LLC muss als zusätzlich Mitversicherter auf dem Versicherungsnachweis geführt werden.
Was müssen Seller mit Sitz in China beachten?
Seller mit Unternehmenssitz in der Volksrepublik China können neue Policen nur noch über den Amazon Insurance Accelerator abschließen, Amazons Netzwerk geprüfter Versicherer. Bereits vor dem 2. November 2026 eingereichte Policen freier Drittanbieter bleiben bis zum Ablauf gültig, eine Verlängerung außerhalb des Accelerators ist danach für diese Gruppe nicht mehr möglich.