
Wichtigste Erkenntnisse
- Amazon weitet Passkeys ab Juli 2026 auf alle Seller-Central-Konten aus, für einen Teil der Konten werden sie im Jahresverlauf verpflichtend
- Passkeys ersetzen Passwort und SMS-Code durch ein gerätegebundenes, phishingresistentes Anmeldeverfahren
- Betrüger geben sich gezielt als Amazon-Support aus, um Zugang zu Verkäuferkonten und Auszahlungen zu bekommen
- Jeder Secondary User sollte einen eigenen Passkey statt geteilter Hauptzugangsdaten nutzen
- Echte Kontohinweise erscheinen ausschließlich im Account Health Dashboard, nie in unaufgeforderten E-Mails oder Anrufen
Warum Kontosicherheit für Amazon-Seller jetzt an Bedeutung gewinnt
Dein Seller-Central-Zugang ist mehr als ein Verwaltungstool - darüber steuerst du Auszahlungen, Preise, Lagerbestände und Werbebudgets. Wer sich Zugriff darauf verschafft, kann Bankverbindungen ändern, Angebote manipulieren oder laufende Amazon PPC-Kampagnen leerlaufen lassen - oft bevor es jemand bemerkt.
Amazon baut parallel zwei Dinge aus: strengere Anmeldeverfahren und Werkzeuge, die noch enger am Konto hängen. Mit dem überarbeiteten Seller Central und wachsenden KI-Anbindungen wie dem Amazon MCP-Server, über den sich Preise und Bestände inzwischen auch per KI-Chat steuern lassen, wird ein kompromittiertes Konto zu einem noch größeren Hebel für Angreifer. Gleichzeitig berichten Sicherheitsquellen, dass Betrüger gezielt Verkäufer mit gefälschten Amazon-Support-Nachrichten angreifen, um genau diesen Zugang zu übernehmen.
Was sind Passkeys – und warum gelten sie als sicherer?
Ein Passkey ersetzt die Kombination aus Passwort und Einmalcode durch ein kryptografisches Schlüsselpaar, das an dein Gerät gebunden ist. Freigegeben wird die Anmeldung per Fingerabdruck, Gesichtsscan oder Geräte-PIN - ganz ohne ein Geheimnis einzugeben, das abgefangen oder auf einer gefälschten Login-Seite eingetippt werden könnte. Genau das macht Passkeys laut Amazon deutlich widerstandsfähiger gegen Phishing als klassische Passwörter oder SMS-Codes, die sich etwa per SIM-Swapping abfangen lassen.
Amazon selbst meldet für seine Kundenkonten einen Meilenstein: Mehr als 500 Millionen Kunden haben inzwischen einen Passkey aktiviert, die Anmeldung laufe damit rund sechsmal schneller ab als mit einem klassischen Passwort. Diese Zahlen beziehen sich auf Käuferkonten im Amazon-Shop, zeigen aber, in welche Richtung Amazon auch Seller Central weiterentwickelt.
Der Passkey-Rollout in Seller Central: Was 2026 gilt
Laut einer offiziellen Mitteilung im Amazon Seller Forum weitet Amazon Passkeys ab Juli 2026 auf alle Seller-Central-Konten aus. Für einen Teil der Konten sollen sie im weiteren Jahresverlauf 2026 sogar verpflichtend werden - welche Konten genau betroffen sind, hat Amazon bislang nicht im Detail veröffentlicht. Vorausgegangen war bereits Ende 2025 eine Phase, in der Amazon die Nutzung von Passkeys für Seller Central aktiv empfahl, ohne sie vorzuschreiben.
Für dich als Verkäufer heißt das konkret: Es lohnt sich, die Umstellung nicht erst abzuwarten, bis sie zur Pflicht wird. Wie bei anderen Fristen, die 2026 auf Amazon-Händler zukommen - etwa bei der GPSR oder der neuen Amazon-Haftpflichtversicherung - gilt: Wer frühzeitig umstellt, vermeidet Stress in letzter Minute und ist nicht von kurzfristigen Rollout-Problemen betroffen, über die einzelne Verkäufer in den Amazon-Foren bereits berichten. Beachte außerdem, dass sich Menüführung und genaue Anmeldeabläufe je nach Marktplatz und Kontotyp leicht unterscheiden können.
Passkey fürs Verkäuferkonto einrichten
Die Einrichtung ist in wenigen Schritten erledigt:
- In Seller Central zu Login & Sicherheit (teils als "Login & Settings" angezeigt) navigieren
- Die Option "Passkey erstellen" auswählen und den Anweisungen des Geräts folgen
- Biometrische Freigabe (Fingerabdruck, Gesichtserkennung) oder Geräte-PIN festlegen
- Den Passkey idealerweise zusätzlich auf einem zweiten Gerät als Fallback hinterlegen
Arbeitest du mit einem Team, einer Agentur oder virtuellen Assistenten zusammen, solltest du nicht länger ein einziges Hauptlogin teilen. Richte stattdessen für jede Person einen eigenen Secondary User mit individuellen Rechten und einem eigenen Passkey ein. Das schafft nicht nur mehr Sicherheit, sondern auch Nachvollziehbarkeit: Du siehst im Zweifel genau, wer wann welche Änderung vorgenommen hat - etwa an Multichannel-Einstellungen oder zentralen Produktdaten.
Phishing und Account-Übernahme: Wie Betrüger auf Verkäuferkonten zielen
Je mehr Wert ein Seller-Central-Zugang hat, desto attraktiver wird er für Betrüger. Eine verbreitete Masche: gefälschte E-Mails, SMS oder Anrufe, die sich als Amazon-Support ausgeben und behaupten, dein Konto sei gesperrt oder werde deaktiviert. Die Nachrichten imitieren das Amazon-Branding und verlinken auf täuschend echte Login-Seiten, auf denen du unwissentlich deine Zugangsdaten preisgibst. Gelingt der Zugriff, können Angreifer Bankverbindungen ändern, Auszahlungen umleiten oder laufende Angebote manipulieren - mitunter so lange, bis Amazon den Betrüger statt dich selbst aus dem Konto aussperrt.
Das Ausmaß von Account-Übernahme-Betrug ist branchenübergreifend erheblich: Laut einem auf FBI-Zahlen gestützten Bericht gingen allein 2025 mehr als 262 Millionen US-Dollar an gemeldeten Verlusten auf diese Betrugsform zurück - branchenweit, nicht speziell auf Amazon-Verkäufer bezogen. Nach Medienberichten warnte Amazon selbst im November 2025 zudem rund 300 Millionen Kundinnen und Kunden vor einer Welle an Impersonation-Versuchen. Für Verkäufer heißt das: Wachsamkeit beim Thema Login-Daten ist kein Randthema mehr, sondern Teil des laufenden Risikomanagements - genauso wie regelmäßige PPC Audits oder die Kontrolle deiner Advertising Reports.
Warnsignale, an denen du Phishing erkennst
- Aufforderung, dein Konto oder deine Zugangsdaten umgehend zu "verifizieren"
- Unpersönliche Anrede wie "Dear Seller" statt deines Namens oder Firmennamens
- Rechtschreib- oder Grammatikfehler in angeblich offiziellen Amazon-Mitteilungen
- Links, die beim Überfahren mit der Maus nicht auf eine amazon.com- oder amazon.de-Domain führen
- Druck durch Drohungen mit sofortiger Kontosperrung
- Zahlungsforderungen außerhalb der Plattform, um ein angeblich gesperrtes Konto zu "entsperren"
Grundsätzlich gilt: Echte Kontohinweise erscheinen im Account Health Dashboard deines Seller-Central-Kontos - nicht in unaufgeforderten E-Mails, SMS oder Anrufen. Fehlt dort ein entsprechender Hinweis, ist die Nachricht mit hoher Wahrscheinlichkeit betrügerisch.
Checkliste: Dein Verkäuferkonto wirksam absichern
- Passkey und Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren - kombiniere starke Anmeldeverfahren, statt dich auf ein Passwort zu verlassen
- Einzigartige, starke Passwörter für Seller Central, die verknüpfte E-Mail-Adresse und dein Bankkonto nutzen, idealerweise über einen Passwortmanager
- Nutzerrechte regelmäßig prüfen - entferne den Zugriff ehemaliger Mitarbeiter, Agenturen oder Dienstleister zeitnah
- Keine Links aus unaufgeforderten Nachrichten anklicken - Seller Central immer direkt über die gespeicherte Adresse im Browser aufrufen
- Zugangsdaten niemals weitergeben - auch nicht an angebliche Amazon-Mitarbeiter am Telefon
- Account Health Dashboard regelmäßig kontrollieren, statt dich auf externe Benachrichtigungen zu verlassen
Baue diese Punkte in ohnehin wiederkehrende Routinen ein: Wer sowieso monatlich einen PPC Audit durchführt oder die wichtigsten Seller-Central-Funktionen im Blick behält, kann die Kontosicherheit einfach mit abhaken.
Was tun im Verdachtsfall
Hast du den Verdacht, dass Zugangsdaten bereits in falsche Hände geraten sind, zählt jede Minute:
- Passwörter sofort ändern - zuerst bei Amazon, danach bei der verknüpften E-Mail-Adresse und beim Bankkonto
- Passkey beziehungsweise Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren, falls noch nicht geschehen
- Die Bank kontaktieren und Kontobewegungen auf unautorisierte Transaktionen prüfen
- Den Vorfall direkt über Seller Central an Amazon melden
- Verdächtige E-Mails an reportascam@amazon.com weiterleiten; Anrufe oder SMS zusätzlich bei den zuständigen Verbraucherschutzstellen melden
Je schneller du handelst, desto größer die Chance, dass Amazon den Betrüger aus dem Konto aussperrt, bevor nennenswerter Schaden entsteht.
Fazit: Kontosicherheit wird Teil der Amazon-Strategie
Passkeys sind für Amazon-Seller keine technische Fußnote, sondern ein direkter Baustein für den Schutz von Umsatz und Marge. Während Amazon die Anmeldung in Seller Central schrittweise auf Passkeys umstellt, nehmen Betrüger genau diesen Zugang gezielt ins Visier. Wer Passkeys, saubere Nutzerrechte und ein wachsames Auge auf Phishing-Versuche jetzt zur Routine macht, schützt nicht nur sein Konto, sondern auch alles, was daran hängt: von Seller Central selbst über PPC-Kampagnen bis zu den Auszahlungen, die am Ende des Monats ankommen sollen.
Häufige Fragen
Was ist ein Passkey und wie unterscheidet er sich von einem Passwort?
Ein Passkey ist ein kryptografisches Schlüsselpaar, das an dein Gerät gebunden ist und per Fingerabdruck, Gesichtsscan oder Geräte-PIN freigegeben wird. Anders als ein Passwort überträgst du dabei kein gemeinsames Geheimnis, das auf einer gefälschten Login-Seite abgegriffen werden könnte - das macht Passkeys laut Amazon deutlich widerstandsfähiger gegen Phishing als Passwörter oder SMS-Codes.
Ab wann sind Passkeys für Amazon Seller Central Pflicht?
Laut einer offiziellen Mitteilung im Amazon Seller Forum weitet Amazon Passkeys ab Juli 2026 auf alle Seller-Central-Konten aus. Für einen Teil der Konten sollen sie im weiteren Verlauf des Jahres 2026 verpflichtend werden, konkrete Kriterien dafür hat Amazon bislang nicht veröffentlicht. Es lohnt sich daher, die Umstellung nicht erst abzuwarten.
Wie erkenne ich eine Phishing-Nachricht, die sich als Amazon ausgibt?
Typische Warnsignale sind eine unpersönliche Anrede wie 'Dear Seller', Rechtschreibfehler, Drohungen mit sofortiger Kontosperrung, Zahlungsforderungen außerhalb der Plattform sowie Links, die nicht auf eine amazon.com- oder amazon.de-Domain führen. Echte Kontohinweise erscheinen ausschließlich im Account Health Dashboard in Seller Central - nicht in unaufgeforderten E-Mails, SMS oder Anrufen.
Was mache ich, wenn ich auf einen Phishing-Link geklickt oder Zugangsdaten eingegeben habe?
Ändere sofort deine Passwörter bei Amazon, bei der verknüpften E-Mail-Adresse und beim Bankkonto, aktiviere Passkey beziehungsweise Zwei-Faktor-Authentifizierung und kontaktiere deine Bank wegen möglicher unautorisierter Transaktionen. Melde den Vorfall zusätzlich direkt über Seller Central an Amazon und leite verdächtige E-Mails an reportascam@amazon.com weiter.