
Wichtigste Erkenntnisse
- Amazon bringt Bestellungen und Listings von eBay, Shopify, TikTok Shop und Walmart Marketplace direkt in Seller Central
- FBA-Lagerbestände lassen sich künftig auch für Bestellungen von anderen Plattformen nutzen
- Die Funktion ist laut Amazon kostenlos, der Rollout startet schrittweise in den USA
- Mehr als 95 % der unabhängigen Amazon-Seller verkaufen laut Amazon bereits über mehrere Kanäle
- Wer jetzt sauber vorbereitet, spart später Zeit bei Katalogabgleich und Margenkontrolle
Was Amazon am 24. September 2026 angekündigt hat
Auf der Seller-Konferenz Accelerate in Seattle hat Amazon eine Erweiterung von Seller Central vorgestellt, die viele Multichannel-Händler seit Jahren gefordert haben: Verkäufer in den USA können ab sofort ihre Konten auf eBay, Shopify, TikTok Shop und Walmart Marketplace mit Seller Central verknüpfen und Bestellungen, Listings und Versand kanalübergreifend aus einem einzigen Dashboard steuern.
Bemerkenswert ist dabei besonders die Aufnahme von Walmart – Amazon lädt Händler damit explizit ein, ihr Geschäft bei einem direkten Einzelhandelskonkurrenten über die eigene Software zu managen. Der Rollout erfolgt laut Amazon schrittweise, weitere Kanäle und Funktionen sollen in den kommenden Monaten dazukommen. Bislang ist die Funktion auf den US-Marktplatz beschränkt, ein Termin für amazon.de oder andere EU-Marktplätze wurde noch nicht genannt.
Der Hintergrund: Nach Angaben von Amazon verkaufen bereits mehr als 95 % der unabhängigen Seller über mehrere Plattformen gleichzeitig. Bislang bedeutete das für viele Händler einen Flickenteppich aus Drittsoftware, Excel-Listen und manuellem Abgleich zwischen den Systemen.
Wie die Multichannel-Tools in Seller Central funktionieren
Konkret umfasst das neue Angebot laut Amazon mehrere Bausteine, die sich schrittweise ausbauen lassen:
- Konten verknüpfen: Seller verbinden ihre Accounts bei eBay, Shopify, TikTok Shop und Walmart Marketplace direkt mit Seller Central.
- Listings importieren und abgleichen: Bestehende Angebote auf den Drittplattformen lassen sich importieren und mit den passenden Produkten im Amazon-Katalog verknüpfen, statt sie doppelt zu pflegen.
- Bestellungen zentral einsehen: Alle Verkäufe aus den angebundenen Kanälen erscheinen gebündelt in einer Übersicht in Seller Central.
- Fulfillment über Amazon abwickeln: Bestellungen von anderen Plattformen lassen sich über Fulfillment by Amazon versenden. Sobald das Paket unterwegs ist, spielt Amazon die Tracking-Informationen automatisch an die Ursprungsplattform zurück, sodass der Käufer dort informiert bleibt.
- Profitabilität pro Kanal: Ein Dashboard soll laut Amazon eine kanalübergreifende Sicht auf Marge, Werbeausgaben und Traffic liefern.
Amazon betont zudem Zugriffskontrollen: Daten aus den Drittkanälen sollen weder an andere Verkäufer weitergegeben noch für eigene Handelsentscheidungen von Amazon genutzt werden. Wie robust diese Trennung in der Praxis ausfällt, lässt sich aus der Ankündigung allein noch nicht abschließend beurteilen – hier lohnt ein Blick in die Nutzungsbedingungen, sobald die Funktion für den eigenen Account verfügbar ist.
Warum Amazon jetzt auf Multichannel setzt
Für Amazon ist der Schritt strategisch nachvollziehbar: Wer als Plattform das zentrale Cockpit für den gesamten Multichannel-Vertrieb eines Sellers wird, bindet diesen enger an das eigene Ökosystem – selbst wenn ein Teil des Umsatzes über Wettbewerber wie Walmart oder TikTok Shop läuft. Gleichzeitig sinkt für Händler die Einstiegshürde, zusätzliche Kanäle überhaupt erst zu testen, weil der operative Mehraufwand durch die zentrale Steuerung kleiner wird.
Für Seller, die bereits mehrere Amazon-Features und Drittkanäle parallel nutzen, kann das spürbar Zeit sparen: Weniger Tabs, weniger manueller Abgleich von Lagerbeständen, weniger Gefahr von Überverkäufen, weil ein Produkt auf zwei Plattformen gleichzeitig als verfügbar gelistet war.
Was das für Amazon-Händler konkret bedeutet
Auch wenn der Rollout aktuell auf die USA beschränkt ist, lohnt es sich, die Entwicklung im Blick zu behalten – vor allem für Händler, die ohnehin auf mehreren Marktplätzen aktiv sind oder eine Erweiterung planen. Ein paar praktische Implikationen:
1. FBA wird zum kanalübergreifenden Fulfillment-Hub
Wenn sich FBA-Bestände künftig auch für Shopify- oder Walmart-Bestellungen nutzen lassen, verändert das die Kalkulation rund um FBA Inventory Limits und Lagerkapazität. Wer plant, mehrere Kanäle über ein gemeinsames FBA-Lager zu bedienen, sollte Bestandsplanung und IPI-Score entsprechend neu durchrechnen.
2. Reporting wird komplexer – und wichtiger
Ein kanalübergreifendes Profitabilitäts-Dashboard klingt komfortabel, ersetzt aber nicht die eigene Kontrolle. Gerade wenn Werbekosten aus Amazon Advertising Reports und Kampagnendaten von anderen Plattformen zusammenfließen, braucht es klare Regeln, wie Marge pro Kanal berechnet wird – inklusive unterschiedlicher Gebührenmodelle bei eBay, Shopify und Walmart.
3. Traffic-Strategien lassen sich stärker verzahnen
Wer schon heute Google Ads Traffic auf Amazon-Listings lenkt oder Kampagnen über verschiedene Werbeplattformen vergleicht, bekommt mit einer zentralen Bestellübersicht eine bessere Datengrundlage, um zu sehen, welcher Kanal tatsächlich zum Gesamtumsatz beiträgt – ähnlich wie beim Konzept des TACoS, nur eben kanalübergreifend statt nur werbebezogen.
4. Die Buy Box bleibt kanalspezifisch
Ein zentrales Dashboard ändert nichts daran, dass jede Plattform ihre eigenen Sichtbarkeits- und Ranking-Mechanismen hat. Die Kriterien für die Amazon Buy Box gelten weiterhin nur auf Amazon, eBay und Walmart haben eigene Regeln für ihre jeweiligen "Featured Offer"-Mechanismen. Multichannel-Management vereinfacht die Verwaltung, ersetzt aber keine plattformspezifische Optimierung.
Risiken und offene Fragen
Bei aller Erleichterung für den Alltag lohnt ein nüchterner Blick auf offene Punkte:
- Nur USA, nur graduell: Für Händler auf amazon.de oder anderen EU-Marktplätzen ist aktuell noch unklar, wann und ob die Funktion in der gewohnten Form ankommt.
- Abhängigkeit von einem Anbieter: Wer den gesamten Multichannel-Betrieb über Amazon-Infrastruktur laufen lässt, vertieft die Abhängigkeit von einer einzigen Plattform – auch wenn diese offiziell keine Wettbewerbsvorteile aus den fremden Kanaldaten ziehen darf.
- Datenschutz und Zugriffskontrollen: Amazon verspricht strikte Trennung der Kanaldaten. Wie diese technisch und vertraglich abgesichert ist, sollten sicherheitsbewusste Händler prüfen, sobald die vollständigen Nutzungsbedingungen vorliegen.
- Bestehende Multichannel-Tools: Wer bereits mit spezialisierter Drittsoftware für Multichannel-Fulfillment arbeitet, sollte abwägen, ob eine native Amazon-Lösung diese ablösen kann oder ob es sinnvoller ist, beide Systeme parallel zu nutzen.
So bereitest du dich als Händler vor
Auch ohne sofortigen Zugriff auf die neue Funktion lässt sich schon jetzt einiges vorbereiten:
- Katalog bereinigen: Stelle sicher, dass SKUs, Titel und Varianten zwischen deinen Kanälen konsistent benannt sind. Ein sauberer Katalog ist die Voraussetzung für jeden automatisierten Abgleich.
- Margen pro Kanal dokumentieren: Halte Gebühren, Versandkosten und Werbeausgaben je Plattform fest, damit ein kanalübergreifendes Profitabilitäts-Dashboard später tatsächlich vergleichbare Zahlen liefert.
- FBA-Kapazität realistisch einplanen: Wenn du überlegst, künftig auch Bestellungen von anderen Kanälen über FBA abzuwickeln, prüfe frühzeitig, ob deine aktuellen Lagerlimits das zulassen.
- Ankündigungen im Blick behalten: Amazon informiert Änderungen an Seller Central meist über Seller-Central-Benachrichtigungen und die offizielle Newsroom-Seite – ein Blick lohnt sich, sobald die Funktion für den eigenen Marktplatz ausgerollt wird.
- Werbestrategie kanalübergreifend denken: Wer PPC-Budgets bislang isoliert pro Plattform steuert, sollte spätestens jetzt anfangen, Performance-Daten kanalübergreifend zu vergleichen, etwa mit Unterstützung durch regelmäßige PPC Audits.
Fazit: Ein Schritt Richtung echtem Multichannel-Management
Mit der Öffnung von Seller Central für eBay, Shopify, TikTok Shop und Walmart reagiert Amazon auf eine Realität, die für die meisten unabhängigen Seller längst Alltag ist: Verkauf über mehrere Kanäle gleichzeitig. Die Ankündigung ist ein deutliches Signal, dass Amazon nicht nur eigene Marktanteile verteidigen, sondern sich als zentrale Betriebssoftware für den gesamten E-Commerce-Alltag von Händlern positionieren will.
Für Amazon-Seller in Europa heißt das vorerst: beobachten, vorbereiten, aber nicht überstürzt umbauen. Wer seinen Katalog, seine Margenrechnung und sein Marketing kanalübergreifend schon jetzt sauber aufstellt, ist bereit, sobald die Funktion auch außerhalb der USA verfügbar wird – und kann von Tag eins an von der zentralen Steuerung profitieren, statt erst nachträglich Prozesse anzupassen.
Häufige Fragen
Ab wann sind die Multichannel-Tools in Seller Central verfügbar?
Amazon hat die Funktion am 24. September 2026 auf der Seller-Konferenz Accelerate in Seattle angekündigt und startet mit einem schrittweisen Rollout in den USA. Weitere Länder und Kanäle sollen in den kommenden Monaten folgen, ein konkretes Datum für den deutschsprachigen Raum liegt noch nicht vor.
Kostet die Nutzung der Multichannel-Tools extra?
Nein, Amazon stellt die Funktion laut eigener Ankündigung kostenlos zur Verfügung. Kosten können weiterhin durch die jeweiligen Drittplattformen selbst entstehen, etwa Gebühren von eBay, Shopify oder Walmart Marketplace.
Welche Plattformen werden von Seller Central aus unterstützt?
Zum Start unterstützt Amazon die Anbindung von eBay, Shopify, TikTok Shop und Walmart Marketplace. Sellern lassen sich damit Bestellungen, Sichtbarkeit über Kanäle hinweg und teilweise Listing-Import und Fulfillment aus einem Dashboard steuern.
Kann ich Fulfillment by Amazon auch für Bestellungen von anderen Plattformen nutzen?
Ja, ein zentraler Baustein der neuen Funktion ist, dass sich FBA-Lagerbestände auch für Bestellungen aus Shopify, eBay, TikTok Shop oder Walmart Marketplace nutzen lassen. Amazon übernimmt dabei Versand und Tracking, die Statusupdates fließen automatisch an die Ursprungsplattform zurück.